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Kundenorientierte Korrespondenz bei Hesterberg

Vor über 200 Jahren hat Hesterberg mit dem Eisen- und Stahlhandel begonnen. Heute liegt die Kernkompetenz des Unternehmens bei Verschließsystemen und Aufbautechnik für Nutzfahrzeuge. Der in Ennepetal ansässige Betrieb konstruiert und produziert selbst und vertreibt seine Produkte europaweit unter dem Markennamen Hestal. Hesterberg ist Marktführer bei Verschlüssen für Nutzfahrzeuge, Anhänger und Aufbauten. Mit der Serie 7 von Hestal gewann Hesterberg 1997 sogar den Design-Award des iF-Industrieforum Design.

Corporate Identity

Vor zwei Jahren wurde im Rahmen einer Umstrukturierung der Marktauftritt des Unternehmens komplett überarbeitet und eine neue Corporate Identity entwickelt.

Die Verbindung aus Tradition, Innovation und Design, die die Qualitätsprodukte des Hauses kennzeichnet, sollte auch durch ein modernes, selbstbewusstes Erscheinungsbild unterstrichen werden. Damit verknüpft wurden aber auch inhaltliche Entwicklungsziele wie eine intensivere Kundenorientierung und die Verbesserung der Serviceleistungen. Doch wie so oft bei gewachsenen Unternehmen - die breite Umsetzung der neuen Unternehmensphilosophie ließ noch Wünsche offen, speziell im Bereich des schriftlichen Kunden- und Lieferantenkontaktes. Deshalb entschlossen sich die Personalleiterin Frau Heuser und der Geschäftsführer Herr Kramme zu einem unternehmensspezifischen Workshop mit der Integrata Training AG.

Das Thema Kundenorientierte Korrespondenz gab den Anstoß zur Optimierung und Vereinheitlichung des gesamten Außenauftritts des Unternehmens. Die Kompaktveranstaltungen hierzu fanden im Dezember 1997 statt und brachten Teilnehmer aus unterschiedlichen Abteilungen zusammen: Vertrieb, Einkauf, Entwicklung, Personal, Sekretariat und Buchhaltung wurden einbezogen, auch die Personalleiterin und der Vertriebsleiter nahmen daran teil. Kernpunkte waren:

  • die Corporate Identity des Unternehmens und ihre Auswirkung auf den Umgang mit Geschäftspartnern, Interessenten und Bewerbern,

  • die Vermittlung von Richtlinien moderner Korrespondenz,

  • die Erstellung von Musterbriefen für unterschiedliche Anwendungsfälle und - soweit sinnvoll und wünschenswert -

  • die Entwicklung von Textbausteinen für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche, die als Textbaustein-Katalog in MS-Word hinterlegt werden können.

Der Workshop sollte insgesamt zweieinhalb Tage dauern, gefolgt von einer Präsentation der Ergebnisse durch die Teilnehmer an die Geschäftsleitung. Diesem Konzept wurde von der Kundenberaterin Theresia Avenhövel, Integrata Training Münster, und der Trainerin Andrea Revers ein ganz besonderer Stellenwert zugemessen: Workshops ermöglichen es, die notwendigen Veränderungen aus dem Unternehmen selbst heraus zu entwickeln. Das kann aber nur dann funktionieren und zu einer veränderten Praxis führen, wenn die konkrete Umsetzung der erarbeiteten Ergebnisse verbindlich gewährleistet wird. Dies ist in letzter Instanz jedoch Chefsache. Erst wenn die Geschäftsführung mit im Boot ist, können die Workshops erfolgreich sein.

Form und Funktion

Als Grundorientierung diente das neue Corporate Design, das einen einheitlichen, formalen äußerer Rahmen für die Selbstdarstellung des Unternehmens bietet. Seine Gestaltungselemente wurden deshalb im Einzelnen vorgestellt und ausführlich erläutert. Die Mitarbeiter sollten ein Gespür dafür entwickeln können, welchen konkreten Eindruck sie bei den schriftlichen Außenkontakten hinterlassen und welche Auswirkungen der bewusste Umgang damit auf ihre Geschäftspartner hat. Wünschenswert für alle Geschäftskontakte sollte ein partnerschaftliches Verhältnis sein, sei es mit Interessenten, Kunden oder Lieferanten. Dementsprechend sollte auch der Briefstil diesen Anspruch widerspiegeln.

Die Teilnehmer wurden zunächst mit aktuellen Richtlinien der Briefgestaltung bekannt gemacht und hatten Gelegenheit, in diversen Übungen auch unterschiedliche Formulierungsmöglichkeiten auszuprobieren. Schnell erkannte man, dass die üblichen Floskeln zwar ein gewisses Gefühl der Sicherheit vermitteln, aber weder lesefreundlich und verständlich noch besonders ansprechend oder gar partnerschaftlich sind. Um einen lebendigeren und ansprechenden Ton zu finden, übten die Teilnehmer die Formulierung in gehobenem, mündlichem Sprachdeutsch:

Wir schreiben wie wir reden!

Die Gruppe erarbeitete dann gemeinsam - auch auf der Basis von vorliegenden Musterbriefen aus den einzelnen Abteilungen - allgemeine Regeln für die Briefgestaltung: Aufbau, Datumsversion, Betreffzeile, Anrede, Briefende, PS, Anlage, Layout. Hierbei ging es weniger darum, einen komplett neuen Standard zu verabschieden, als vielmehr die bisher geübte Praxis neu zu überdenken und bei Bestätigung für alle Abteilungen verbindlich festzulegen. Hierbei wurden auch gleich die verwendeten Anschreiben und Formulare, zum Beispiel Briefbögen, Kurzbriefe und Telefaxvorlagen, überprüft und entsprechend korrigiert.

Erstellung von Musterbriefen

  • In Kleingruppen, die nach dem Zufallsprinzip zusammengestellt wurden, erarbeiteten die Teilnehmer daraus konkrete Briefvorschläge für

  • den Vertrieb, z. B. Terminvereinbarung, Reaktion auf Kundenreklamation, Briefe in Anschluss an Termin mit Angebot,

  • den Einkauf, z. B. Reklamationsschreiben,

  • die Buchhaltung, z. B. Zahlungserinnerung, Mahnung,

  • und die Personalabteilung, z. B. Terminvereinbarungen mit Bewerbern, Zu- und Absagen.

Die Gruppen stellten anschließend ihre Entwürfe vor und diskutierten sie. Hierbei wurde auch festgelegt, zu welchen Anlässen Musterbriefe im Sinne eines partnerschaftlichen Umgangs sind und in welchen Bereichen Textbausteine überhaupt zum Einsatz kommen sollen. Es wurde großer Wert darauf gelegt, dass die Textbausteine nur Hilfestellung für den Briefersteller sein können und eine individuelle Korrespondenz nicht ersetzen können. Keinesfalls darf der gesamte Schriftverkehr "normiert" werden! In einer zweiten Gruppenarbeit hatten die Teilnehmer dann die Aufgabe, für die geeigneten Aufgabenstellungen und Situationen mögliche Textbausteine zu erarbeiten.

Verbesserung der Geschäftsprozesse

Die Arbeitsgruppen stellten die entwickelten Textbausteine vor und besprachen sie mit den anderen Teilnehmern. Dabei waren natürlich vor allen Dingen die Teilnehmer aus der unmittelbar betroffenen Abteilung sehr engagiert. Aber auch der Bezug zu anderen Geschäftsbereichen, der in der alltäglichen Praxis sonst nicht in dem Maße hinterfragt wird, konnte transparent gemacht werden. Dies führte nicht selten zur Diskussion abteilungsübergreifender Geschäftsprozesse insgesamt, z. B. beim Thema Reklamationsbearbeitung im Einkauf oder beim Mahnverfahren. Hierzu erarbeitete die gesamte Gruppe dann konkrete Vorschläge, wie die einzelnen Teilprozesse besser zusammengeführt und optimiert werden können.

Solche Rückschlüsse auf die Geschäftsprozesse sind nach der Erfahrung der Trainer kein zufälliges Nebenprodukt von Workshops, sondern ergeben sich schon aus dem methodischen Ansatz. Durch die intensive Reflexion ihrer konkreten Arbeitsorganisation in der Gruppe konnten die Teilnehmer die größeren Zusammenhänge besser beurteilen und daraus sinnvollere Abläufe entwickeln, die dem Kunden zugute kommen und auch ihnen selbst die Arbeit leichter machen, z. B. durch eine stärkere Einbeziehung der Kundensicht und die systematischere Nutzung bereits vorhandener Informationen und Daten.

Nach dieser Diskussion hatten die jeweiligen Arbeitsgruppen noch eine letzte Gelegenheit, die Ergebnisse der Plenumsdiskussion einzuarbeiten. Anschließend wurde die Präsentation für die Geschäftsleitung vorbereitet.

Präsentation der Ergebnisse

Der Geschäftsführer, Herr Kramme, verfolgte die Präsentation der Gruppenergebnisse mit großem Interesse und stellte immer wieder Rückfragen zu den einzelnen Vorschlägen und Formulierungen. Die präsentierten Briefstandards waren insgesamt solide vorbereitet und sinnvoll ausgearbeitet und konnten damit schnell verabschiedet werden. Auch die entwickelten Musterbriefe und Textbausteine fanden schließlich seine Zustimmung. Danach berichteten die Teilnehmer über die Schwachstellen in den einzelnen Geschäftsprozessen, auf die sie durch die intensive Beschäftigung mit den Arbeitsthemen gestoßen waren. In einem letzten Schritt wurde besprochen, in welchen Stufen nun die einzelnen Abteilungsleiter und alle Mitarbeiter über die neuen Standards informiert und die bemängelten Geschäftsprozesse optimiert werden können. Hier ging Herr Kramme selbst in die Verantwortung, um die praktische Umsetzung der Ergebnisse zu sichern. Es wurde eine konkrete Terminplanung besprochen, bis wann die erarbeiteten Textbausteine für die Mitarbeiter als Word-Datei hinterlegt und die verwendeten Formulare modifiziert werden können. Für jede dieser Aufgaben wurde ein entsprechender Verantwortlicher und Ansprechpartner benannt.

Die Veranstaltungen dauerten schließlich von Donnerstagmittag bis Samstagnachmittag, die Mitarbeiter hatten also auch einen Teil ihrer Freizeit in die gute Sache investiert. Nachdem die noch anstehenden Maßnahmen besprochen waren, bedankte sich Herr Kramme mit einem Nikolauspräsent für den aktiven und engagierten Einsatz.

Rückblick

Nach einem halben Jahr gab es nun von Frau Heuser eine erste Bilanz: Die Maßnahmen, so berichtet sie, haben tatsächlich gegriffen. Der Großteil der Formulare ist inzwischen umgestellt worden, um den neuen Standards gerecht zu werden. Insgesamt hat sich auch im Schriftverkehr viel bewegt. Selbst wenn noch nicht alle Mitarbeiter mit den Textbausteinen arbeiten, sind sie doch für das Thema sensibilisiert. Auch durch die verbesserten Geschäftsprozesse hat sich der Workshop gelohnt. Wichtig ist ihr nun vor allem, auf diesem Weg noch weiterzukommen und nicht bei dem bisher Erreichten stehenzubleiben.

Autorin: Dipl. Psych. Andrea Revers
Trainerin der Unilog Integrata Training AG

Der Projektbericht erschien in der Kundenzeitung der Unilog Integrata Training.

 
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